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Mullet-Bike: Was steckt hinter dem Mixed-Wheel-Trend beim MTB?

29 Zoll vorne, 27,5 Zoll hinten – das sogenannte Mullet-Setup ist aus der MTB-Szene kaum noch wegzudenken. Was wie ein Kompromiss aussieht, ist in der Praxis oft die bessere Wahl als ein reines 29er- oder 27,5er-Bike. Was genau hinter dem Konzept steckt, für wen es sich lohnt und ob das Mullet-Prinzip auch beim E-MTB Sinn macht – das erklären wir hier.

Von Vincent Augustin 4 minutes de lecture

Mullet-Bike: Was steckt hinter dem Mixed-Wheel-Trend beim MTB?
À propos de l'auteur Vincent Augustin

Vincent ist Mitgründer von MYVELO und erfahrener Radsportler. Durch seine aktive Zeit im leistungsorientierten Rennradsport - inklusive Starts in der Rennrad-Bundesliga - bringt er fundierte Praxiserfahrung in die Entwicklung und Bewertung von Fahrrädern und E-Bikes ein. Vincent legt besonderen Fokus auf Qualität, Sicherheit und Langlebigkeit von Komponenten sowie auf die Frage, was ein Fahrrad im echten Einsatz leisten muss. Seine Artikel verbinden persönliche Erfahrung, technisches Verständnis und den Anspruch, verlässliche Orientierung für Kaufentscheidungen zu bieten. Jetzt mehr zu MYVELO erfahren

Publié: 28. mai 2026  |  Mis à jour: 28. mai 2026

Einen kompakten Überblick über die wichtigsten Begriffe rund ums Thema findest Du außerdem in unserem Lexikonartikel zum Mullet-Bike.

Was ist ein Mullet-Bike?

Der Begriff „Mullet" stammt aus der Frisurenwelt der 1980er Jahre – „Business in the front, party in the back." Übertragen auf das Mountainbike bedeutet das: ein 29-Zoll-Vorderrad für Laufruhe und Effizienz, kombiniert mit einem 27,5-Zoll-Hinterrad für Agilität und Spielfreude.

Das Setup ist keine Notlösung, sondern eine bewusste Designentscheidung. Viele Hersteller bieten heute Rahmen an, die speziell auf das Mixed-Wheel-Format ausgelegt sind. Aber auch viele bestehende Bikes lassen sich mit dem richtigen Umbau in ein Mullet verwandeln – sofern die Geometrie des Rahmens es erlaubt.

Die Logik dahinter: Warum überhaupt zwei verschiedene Radgrößen?

Jahrelang war die MTB-Szene gespalten: 26 Zoll, dann 27,5 Zoll, dann 29 Zoll – jede Laufradgröße hatte ihre Anhänger und ihre klaren Vor- und Nachteile. Das Mullet-Setup versucht, das Beste beider Welten zu verbinden.

Das entscheidende Prinzip: Vorderrad und Hinterrad haben im Fahrbetrieb unterschiedliche Aufgaben. Das Vorderrad rollt über Hindernisse, leitet das Bike in Kurven und gibt Stabilität. Das Hinterrad trägt das Gewicht des Fahrers, sorgt für Traktion und beeinflusst die Agilität bei Richtungswechseln. Wenn beide Räder dieselbe Größe haben, ist das ein Kompromiss – das Mullet-Setup optimiert dagegen jede Achse separat.

Das 29-Zoll-Vorderrad: Stabilität und Rollverhalten

Ein 29-Zoll-Vorderrad hat gegenüber einem 27,5-Zoll-Rad einen größeren Aufstandswinkel. Das bedeutet:

  • Besseres Überrollen von Hindernissen (Wurzeln, Steine, Kanten)
  • Mehr Laufruhe bei hohem Tempo
  • Höhere Geradeausstabilität – besonders auf technischen Abfahrten vorteilhaft
  • Größere Reifenaufstandsfläche bei gleichem Reifendruck → mehr Traktion vorne

Gerade auf schnellen, felsigen Trails macht das großes 29er-Vorderrad den Unterschied: Es läuft ruhiger, lässt sich schwerer aus der Linie reißen und gibt dem Fahrer mehr Kontrolle und Vertrauen.

Das 27,5-Zoll-Hinterrad: Agilität und Beweglichkeit

Das kleinere Hinterrad bringt eine andere Qualität ins Spiel:

  • Niedrigerer Schwerpunkt – der Rahmen liegt tiefer, was die Handlingcharakteristik aktiver macht
  • Mehr Spielraum für Reifenfreiheit im Hinterbau – größere Reifen möglich
  • Schnelleres Einlenken in engen Kurven und Switchbacks
  • Mehr „Pop" beim aktiven Fahren – Sprünge und Manuals sind mit einem 27,5er Hinterrad leichter zu initiieren
  • Bessere Tretfreiheit am Hinterbau bei kurzen Kettenstreben

Hinzu kommt ein geometrischer Effekt: Durch das kleinere Hinterrad senkt sich der Tretlager-Schwerpunkt ein wenig ab, was die Fahrdynamik weiter verbessert – ähnlich wie bei einem tiefergelegten Auto in der Kurve.

Für wen lohnt sich das Mullet-Setup?

Das Mullet ist kein Allheilmittel – aber für bestimmte Fahrertypen und Terrains ist es eine sehr überzeugende Wahl:

Trail- und Enduro-Fahrer profitieren am meisten. Wer technische Passagen mit schnellen Abschnitten kombiniert, braucht ein Bike, das beides kann: ruhig rollen und aktiv reagieren. Genau das liefert das Mullet.

Fahrer mit kleinerer Körpergröße stoßen beim reinen 29er oft an Grenzen: Die Räder wirken im Verhältnis zum Rahmen zu groß, die Geometrie passt nicht optimal. Ein 27,5er-Hinterrad verbessert hier die Proportionen und das Handling spürbar.

Technisch orientierte Fahrer, die das Bike aktiv bewegen – Sprünge, Wheelies, enge Switchbacks – werden das lebendigere Heck des Mullet schätzen.

Reine Bergauf-Optimierer oder Fahrer, die primär auf ruhigen Forstwegen unterwegs sind, werden den Unterschied weniger bemerken. Für sie ist ein reines 29er-Setup oft ausreichend.

Mullet und E-MTB: Eine starke Kombination

Im E-MTB-Bereich wird das Mullet-Setup zunehmend interessant – und das aus einem spezifischen Grund: E-MTBs sind schwerer als muskelkraftbetriebene Bikes. Das höhere Gewicht verändert das Fahrverhalten, besonders am Hinterbau.

Ein 27,5-Zoll-Hinterrad kann bei einem schweren E-MTB Fully dabei helfen, das Bike trotz des Mehrgewichts agil und handelbar zu halten. Die kürzeren Kettenstreben ermöglichen mehr Reifenfreiheit – was größere, griffigere Reifen erlaubt, die bei einem schweren Bike die Traktion verbessern.

Gleichzeitig bringt das 29-Zoll-Vorderrad die gewohnte Laufruhe mit – gerade bei Abfahrten mit höherem Tempo, die viele E-MTB-Fahrer durch die motorgestützte Bergauffahrt häufiger erleben.

Das Ergebnis: ein E-MTB, das bergauf effizient rollt und bergab trotz seines Gewichts agil und kontrollierbar bleibt.

Mullet selber bauen oder fertig kaufen?

Viele Bikes lassen sich in ein Mullet-Setup umrüsten – aber nicht jedes. Wichtig sind:

  • Rahmenkompatiblität: Der Hinterbau muss ein 27,5-Zoll-Rad aufnehmen können. Bei manchen 29er-Rahmen ist das möglich, bei anderen nicht.
  • Steckachsenformat: Vorder- und Hinterrad müssen mit den verbauten Naben kompatibel sein.
  • Geometrieanpassung: Ein Mullet-Umbau verändert die effektive Tretlagerhöhe und damit das Fahrgefühl. Das ist meist gewünscht – aber es lohnt sich, vorher die Auswirkung auf die Geometrie zu prüfen.

Wer sicher gehen will, wählt einen Rahmen, der ab Werk auf das Mullet-Format ausgelegt ist. Diese Bikes haben die Geometrie bereits für das gemischte Radformat optimiert und bieten das beste Fahrverhalten.

Vergleich: 29/29, 27.5/27.5 und Mullet auf einen Blick

Eigenschaft 29/29 Mullet (29/27,5) 27,5/27,5
Rollverhalten Sehr gut Sehr gut (vorne) Gut
Agilität Geringer Hoch Hoch
Handling Ruhig, weniger aktiv Ausgewogen Sehr aktiv
Schwerpunkt Höher Mittel Niedriger
Geeignet für XC, Marathon, schnelle Trails Trail, Enduro, E-MTB Freeride, Dirt, Fahrer < 170 cm
E-MTB-Tauglichkeit Gut Sehr gut Gut

Fazit: Das Mullet ist kein Kompromiss – es ist eine Optimierung

Das Mullet-Setup ist kein Hybrid aus zwei schlechten Optionen, sondern eine durchdachte Kombination der jeweiligen Stärken. Wer regelmäßig auf technischen Trails unterwegs ist, viel Abwechslung im Gelände schätzt oder ein E-MTB mit besserem Handling fahren möchte, sollte das Mullet ernsthaft in Betracht ziehen.

Wenn Du auf der Suche nach einem E-MTB bist, das für anspruchsvolles Gelände ausgelegt ist, wirf einen Blick auf das Himalaya E-MTB und das Stelvio E-MTB Fully von MYVELO. Beide sind für technisches Terrain konzipiert – und bilden eine solide Basis für jeden, der auf der Suche nach dem richtigen Geländefahrrad ist.

Und falls Du noch mehr über die technischen Grundlagen wissen möchtest: In unserem Lexikonartikel zum Mullet-Bike findest Du alle wichtigen Begriffe kompakt erklärt.

Positions de conduite sur un VTT : Comment bien s'asseoir sur un VTT

Quellen & Referenzen

  • ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club): Technik & Ausstattung Mountainbike (2024). "Laufradgrößen im Vergleich, 2024".
  • Bike-Magazin: Mullet-Bikes im Test (2024). "Fahreigenschaften und Setup-Empfehlungen, Ausgabe 3/2024".
  • Pinkbike.com: The Mullet Bike Explained (2023). "Why Mixed Wheel Sizes Work, 2023".
  • Enduro Mountainbike Magazine (2024). "Mixed Wheel Size Geometry Guide, 2024".

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